Dekarbonisierung und Digitalisierung Kongress 2020: Mutig in die Zukunft

Die Corona-Pandemie zeigt auch bei der Neugestaltung der Mobilität ihre Auswirkungen. Beim diesjährigen auto motor und sport-Kongress haben Experten aus unterschiedlichsten Feldern aufgezeigt, was sich ändern muss, was dringend erhalten werden sollte und was uns erst in Zukunft bewegen wird.

Seit vielen Jahren zeigt der auto motor und sport-Kongress als ein sicherer Indikator auf, wie sich die Autoindustrie und die Mobilität als Ganzes in Zukunft weiterentwickeln. Viele Trends, die wenig später zum Standard wurden, kannten Kongress-Gäste dann schon durch Ausstellungen, Vorträge und Fachdiskussionen. Doch dieses Jahr war auch hier vieles anders.

Denn eines war bereits im Sommer klar: Der beliebte Branchen-Treff auf dem Areal der Stuttgarter Messe würde wegen der Corona-Pandemie keinesfalls in gewohnter Form stattfinden können – zu groß waren die Unsicherheiten, zu wechselhaft die Auflagen. Hinter den Kulissen arbeitete das Team der Motor Presse Stuttgart deswegen über Monate hinweg an einer Alternative, die den Geist des Kongresses auch in Coronazeiten erhält. Deshalb wurde ein Großteil der Veranstaltung über Videokonferenzen und andere digitale Wege organisiert.

Aus Stuttgart in die Welt

Zum ersten Mal wurde der Kongress "Mobilität der Zukunft" volldigital abgehalten und war dadurch so zugänglich wie nie zuvor. Schon im Vorfeld konnten interessierte User über die Social-Media-Kanäle Fragen stellen, und auch während des kostenlosen Streams selbst gab es eine spezielle Maske dafür. In eigenen Blöcken gingen die Experten auf die Community ein und scheuten sich auch nicht, kontroverse Fragen zu beantworten. Der Anspruch, den Leser und seine Anliegen in den Mittelpunkt zu stellen, lebt auf diesem Weg auch im digitalen Zeitalter weiter.

Ein 17-köpfiges Produktionsteam kümmerte sich parallel um die technische Umsetzung und verband Aufzeichnungen, Videokonferenzen und Live-Studio-Vorträge zu einem dichten Programm. Die Speaker wechselten sich dabei eng getaktet ab – nur für ihre Beiträge betraten die Gäste vor Ort das Studio. Die Sicherheit aller Beteiligten hatte über die gesamte Veranstaltung hinweg die allerhöchste Priorität.

Kampfeslustige Branche

Und egal ob direkt im Studio oder in virtueller Form: Den Speakern lag vieles am Herzen. Ola Källenius, als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG direkt vor Ort, und Audi-Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann sendeten beispielsweise deutliche Botschaften an die Kritiker der Autoindustrie: Die Hersteller gäben Vollgas bei der Elektrifizierung und ließen sich von der Corona-Pandemie sowie politischen Störfeuern nicht beirren. Im Talk mit den auto motor und sport-Chefredakteuren Birgit Priemer und Jochen Knecht verteidigte Källenius die Elektrifizierung seiner Konzernmarken und warb umfangreich für die Modernisierung: "Der neue Daimler ist seit 134 Jahren in der Mache!" Audi-Chef Duesmann konterte wenig später in seinem Vortrag: "Wir setzen die E-Offensive radikaler um als andere." In beiden Konzernen ist man sich einig, dass die Batterie-Technologie die Zukunft im Pkw-Bereich habe. So geht Markus Duesmann davon aus, dass es noch Jahrzehnte dauern könnte, bis Wasserstoff in Autos sinnvoll zum Einsatz kommen wird. Anwendungen in der Logistik seien hingegen aktuell schon realisierbar.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, unterstrich die Aussagen der CEOs, nahm aber die Politik stärker in die Verantwortung. Die Autoindustrie habe ihre Hausaufgaben bei der E-Mobilität gemacht, nun müssten Kommunen, Länder und der Bund bei der Infrastruktur nachziehen. Zudem warnte Müller, dass die momentane Krise noch lange nicht ausgestanden sei: "Ich rechne mit einem weiteren Rückgang der Beschäftigung im laufenden Jahr, besonders bei den mittelständischen Zulieferern. Viele haben Entsprechendes angekündigt. Das ist keine gute Entwicklung."

Bei den Zulieferern, die traditionell einen eigenen Programmblock haben, gab man sich indes trotz des schwierigen Umfelds zuversichtlich. Wolf-Henning Scheider, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, erklärte, dass die Zulieferer die Stützen der neuen Mobilität sein würden. Ohne ihre Innovationen in Bereichen wie Kameras oder vernetzte Systeme sei das Auto der Zukunft nicht vorstellbar. "Wir müssen in Zukunftstechnologien investieren – das sind die E-Mobilität und Fahrerassistenzsysteme."

Ein weiterer großer Programmpunkt waren die Datenerfassung und der Datenschutz in den immer stärker vernetzten Autos. Die Digitalisierung und die Fortschritte beim automatisierten Fahren brächten eine Datenflut mit sich, der, wie DEKRA-Vorstandsvorsitzender Stefan Kölbl warnte, noch kein ordentlicher Rechtsrahmen entgegengesetzt worden sei. Kölbl schlug deswegen eine unabhängige Instanz vor, welche die Daten verwaltet und nur bei Zustimmung der Fahrer herausgibt. Eine Grundhaltung, die ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze teilte. Ohne die Beschränkung der Autobauer bestehe die "Gefahr, dass der Wettbewerb behindert wird". Vor datenbasierten Angeboten wie Telematik-Tarifen von Kfz-Versicherungen warnte hingegen die Datenschutz-Aktivistin Katharina Nocun: "Das kann irgendwann dazu führen, dass unterstellt wird, jemand habe etwas zu verbergen, wenn er sich nicht überwachen lassen möchte. Derjenige muss dann unter Umständen draufzahlen, und zwar nicht zu knapp." Datenschutz könne so, wie Nocun befürchtete, zu einem Privileg der Gutbetuchten werden. "Das wäre der Beginn einer Zweiklassengesellschaft in puncto Privatsphäre beim Fahren."

Ihr Einwand zeigt: Zukunft ist nicht allein das pure Streben nach Fortschritt, sondern auch das Erhalten funktionierender Grenzen. Sei es beim Datenschutz oder auch dem Wunsch nach lebenswerten, sicheren Städten. In Anlehnung an den Gründer von auto motor und sport sowie der Motor Presse Stuttgart, Paul Pietsch, gab Geschäftsführer Jörg Mannsperger das Motto des diesjährigen Kongresses aus: Etwas möglich machen – auch wenn die Umstände kompliziert sind. Ein Satz, der auch nach 75 Jahren nicht an Aktualität eingebüßt hat.

Die Autohersteller und ihre Zukunft – Dekarbonisierung und Digitalisierung

Trotz der anhaltenden Auswirkungen der Pandemie arbeitet die Autoindustrie intensiv an ihrer Zukunft.

Die Corona-Pandemie trifft die deutschen Autohersteller zu einem empfindlichen Zeitpunkt. Durch die Bank investieren sie aktuell große Summen in neue elektrisierte Modellreihen, die Digitalisierung, aber auch CO2-neutrale Produktionsstätten. Doch anstatt über die Krise zu jammern, zeigten sich die Speaker aus der Branche zuversichtlich bezüglich der Zukunft. Der Auto-Gipfel der Kanzlerin habe gezeigt, dass alle an einem Strang zögen. "Wir reden nicht mehr über das Ob, sondern über das Wie", sagte Mercedes-Chef Ola Källenius zur Aufbruchsstimmung. Die Daimler AG weitet im Moment die Elektrifizierung ihrer Marken aus – selbst für AMG sagt Källenius eine vollelektrische Zukunft voraus. Außerdem ganz oben auf seiner Prioritätenliste: die Digitalisierung seiner Produkte. Diese Ziele teilt Audi-Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann. Dennoch solle auch die aktuelle Motorentechnik nicht vergessen werden: "Verbrenner werden noch lange eine Rolle spielen. Ende des Jahrzehnts werden noch 50 Prozent der Autos Verbrenner sein." Deswegen werde man im VW-Konzern weiter an der Effizienz arbeiten. Mit Sorge betrachtet die Branche hingegen den aktuellen Stand der Lade-Infrastruktur. Duesmann: "Im Moment ist die Elektroflotte in Europa noch klein, sie wächst aber rasant. Die Lade-Infrastruktur muss dem eigentlich vorauseilen." Die Präsidentin des VDA, Hildegard Müller, sieht die Transformation insgesamt jedoch auf einem guten Weg. "Bis Ende 2023 können unsere Kunden aus 150 verschiedenen E-Modellen wählen – das sind doppelt so viele wie heute." Dass Deutschland weiterhin für internationale Hersteller wichtig sei, bekräftigte auch Frank Klaas, Vice President Communication Europe des chinesischen Auto-Giganten Geely. Geely Auto Technical Deutschland (GATD) hat erst kürzlich in Raunheim eine neue Forschungs- und Entwicklungsabteilung eröffnet – und sucht am Standort noch Leute.

Die Schiene als CO2-Killer – DB Cargo baut den Güterverkehr aus

Fernzüge gelten schon lange als umweltfreundlich, aber auch Güterzüge leisten einen wichtigen Beitrag.

Wenn es um die Mobilität der Zukunft geht, spielt auch die Bahn und vor allem der Güterverkehr auf der Schiene eine große Rolle, wie Sigrid Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn AG, erklärte: "Alle Verkehrsträger, also auch Pkw und Lkw, werden immer effizienter, aber es werden auch immer mehr. Darum steigen trotz aller Bemühungen die CO2-Emissionen weiter." Eine Lösung wäre es, in Zukunft mehr Transporte auf die Schiene zu verlagern.

Sigrid Nikutta auto motor und sport Kongress 2020

Denn: "Jede Tonne, die mit der Schiene transportiert wird und eben nicht mit dem Lkw auf der Straße, spart automatisch 80 Prozent CO2", fügte Nikutta an. Und: "Die Klimaziele werden wir nur erreichen können, wenn wir Verlagerungen auf die Schiene vornehmen." DB Cargo expandiert deshalb fleißig.

Die Zulieferer und ihre Zukunft – Mit smarten Technologien aus der Krise

Auch die Zulieferer stellen sich momentan neu auf und erschließen zukunftsfähige Geschäftsfelder.

In den letzten Monaten und Jahren gab es häufig schlechte Nachrichten aus der Welt der Zulieferer. Wie auch die Autohersteller durchlaufen sie zurzeit einen tiefgreifenden Transformationsprozess. Beim auto motor und sport-Kongress stellten die Schaeffler AG und die ZF Friedrichshafen AG aktuelle Hintergründe aus ihrem Alltag vor und blickten dabei mutig in die Zukunft. Die Schaeffler AG setzt zum Beispiel stark auf das Entwicklungsfeld Rennsport und erprobt dort unterschiedliche Technologien. "Racing ist und bleibt eine Innovationsschmiede", begründete Uwe Wagner, Vorstand Forschung und Entwicklung, die Projekte. Gerade bei der Entwicklung CO2-neutraler Antriebe könne man im Rennsport sehr viel lernen. Das sei deshalb wichtig, weil Elektroantriebe und Plug-in-Hybride, also die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor, die Zukunft der Mobilität seien. Auch Wolf-Henning Scheider, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, sieht viel Potenzial in Plug-in-Hybriden. "Sie bieten den Nutzern eine gute Möglichkeit, die E-Mobilität kennenzulernen." Auch im Bereich der Fahrerassistenz und des autonomen Fahrens mache ZF aktuell große Sprünge – im Mittelpunkt: neue, leistungsfähige Kamerasysteme. Zulieferer würden so zu den Stützen der neuen Mobilität. Um diese macht sich auch der Schweizer Frank M. Rinderknecht seit Jahrzehnten Gedanken. Er und seine Ideenschmiede Rinspeed haben mit CitySnap eine Art mobile Packstation entworfen – ihr erstes für die Serienproduktion bestimmtes Projekt. Die Idee ist, dass die Transporter fertig beladene Boxen mit Paketen und Waren an ihren Bestimmungsort bringen, der flexibel ausgewählt werden kann. Dort werden die Boxen abgeladen und leere wieder mitgenommen. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern entlastet auch den städtischen Lieferverkehr.

Daten für die Mobilität der Zukunft – Mit smarten Technologien aus der Krise

Wie weit ist die Wende in den Städten schon? Woran hapert es noch? Das sagt der Blick in die Daten.

Marcus Willand, Partner bei MHP – A Porsche Company, unterstützt seine Klienten dabei, die Entwicklungen im Bereich der Mobilität zu verstehen und entstehende Chancen zu nutzen. Auf Basis der Studie "Mythos Mobilitätswende", die in Kooperation mit der Marktforschung der Motor Presse Stuttgart entstanden ist (www.wetalkdata.de), blickt Willand aus der Daten-Perspektive auf die Mobilität in den Städten. Während die E-Mobilität immer mehr Mainstream wird, gibt es bei der Vernetzung und beim autonomen Fahren noch viel zu tun. "Es braucht einen Ausbau des 5G-Netzes bis zur letzten Milchkanne", forderte der Experte auf dem Kongress unter anderem. Auch die Anbieter von Mobilitätsdiensten hätten noch viel zu tun und müssten im digitalen Bereich noch mehr Komfort schaffen.

Mobility & Safety Award 2020 – Smarte Logistik dank Carrypicker

auto motor und sport und HUK-Coburg prämierten Logistik-Start-up.

Dr. Jörg Rheinländer und Andreas Karanas Mobility & Safety Award.

Bei einem Großteil der Lkw auf unseren Straßen ist das Ladevolumen nicht komplett ausgeschöpft. Rechnerisch fährt sogar jeder dritte Lkw leer. "Kein Mensch bekommt eine bessere Auslastung hin, da es Millionen Möglichkeiten gibt, kleine Ladungen zu bündeln", erklärt Andreas Karanas, Geschäftsführer von Carrypicker, das Problem dahinter. Mit der Künstlichen Intelligenz von Carrypicker wird sich dies ändern – die Profiteure: Umwelt, Effizienz und Verkehrssicherheit. Die Kunden melden Teilladungen an, die Software bündelt sie zu Komplettladungen und beauftragt eines von 2000 Transportunternehmen. auto motor und sport und die Versicherungsgruppe HUK-Coburg prämierten die smarte Idee im Rahmen des Kongresses mit dem mit 10 000 Euro dotierten Mobility & Safety Award.

Pandemie auch mit Chancen für die Autoindustrie – Trends in Zeiten der Krise

Berater McKinsey zeigt auf, wie man Unsicherheiten plant und auch Möglichkeiten daraus ableitet.

Bei der Unternehmensberatung McKinsey ist Senior Partner Andreas Tschiesner die erste Anlaufstelle, wenn es um das Thema Auto geht. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich schon früh mit den Auswirkungen der Pandemie auf die Transformation der Autoindustrie beschäftigt hat. In seinem Vortrag machte er der Industrie überraschend Mut. Gerade jüngere Konsumenten bis 34 Jahre mäßen dem Auto wieder eine wichtigere Rolle zu. Dabei scheine es allerdings einen Unterschied zwischen Stadtverkehr und längeren Strecken zu geben. Tschiesner zeigte auf, dass in den Städten am stärksten Carsharing, Verkehrsmittel wie Mietroller und Mieträder sowie das private Fahrrad zugelegt hätten. Ein weiterer Trend: die zunehmende Digitalisierung beim Autokauf.

Mobicampus Congress – Studenten entwerfen Mobilität der Zukunft

Der Autostadt-Workshop Mobicampus findet im kommenden Jahr wieder statt.

Im Jahr 2019 fand zum ersten Mal der Mobicampus Congress statt – ein Workshop, den auto motor und sport zusammen mit der Wolfsburger Autostadt und dem Zukunftsforscher Professor Dr. Stephan Rammler entworfen hat. Studenten verschiedener Hochschulen erstellten damals in kleinen gemischten Gruppen Konzepte und Vorschläge für drängende Zukunftsfragen der Mobilität. Ziel war es, dass alle Seiten neue Denkansätze mitnehmen. In diesem Jahr musste der Mobicampus zwar coronabedingt pausieren, aber Roland Clement, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autostadt GmbH, hofft, dass es bald weitergeht. Der Austausch mit jungen Menschen sei besonders wichtig, da er der Autostadt dabei helfe, mit allen Bevölkerungsgruppen in Kontakt zu bleiben.

Platzkampf in deutschen Großstädten – Großstädte ersticken im Verkehr

Die Diskussion über die städtische Raumverteilung wird noch lange ein emotionales Thema bleiben.

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, zeigte auf dem Kongress eine andere Perspektive auf die zukünftige Rolle des Autos auf als die Autoindustrie und Zulieferer. Der Verwaltungsjurist warnte: "Das Auto hat die Vorherrschaft – durch Corona noch mehr –, aber die Großstädte ersticken im Verkehr." So sieht man beim Städtetag umweltfreundliche Antriebe und ihre politische sowie finanzielle Unterstützung zwar positiv, dennoch lösten E-Autos das eklatante Platz- und Verkehrsproblem nicht. Die Botschaft des Hauptgeschäftsführers war deshalb eindeutig: "Man kann zum Auto stehen, wie man will, aber der öffentliche Raum muss aufgewertet werden." In den Städten sei man zuversichtlich, dass dies gelingen werde.

Update der Alphabet-Tochter Waymo – Ein kompletter Ersatz für den Menschen

Waymo sammelt mit seinen selbstfahrenden Autos weiter Meilen und hat eine neue Logistik-Kooperation.

John Krafcik, CEO von Waymo, arbeitet mit Hochdruck daran, Technologie und Software für selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln, und stellte so im Frühjahr die fünfte Generation des "Waymo Driver" vor. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Hard- und Software-Lösungen, die in unterschiedlichen Autos und nun auch Lkw zum Einsatz kommt. Krafcik betonte: "Unser Produkt ist ein kompletter Ersatz für den menschlichen Fahrer, aber kein eigenes Auto." Man sehe sich so nicht als Konkurrent der Autohersteller. Vielmehr biete man einen eigenen Ansatz für das Mobilitäts-Ökosystem an: den digitalen Fahrer. Zwar habe die Corona-Pandemie wertvolle Entwicklungszeit gekostet, aber man sei auf einem guten Weg. Krafcik selbst ist großer Autofan: Am liebsten fährt er Porsche.

Datenerfassung und Datensicherheit – Was passiert mit den Daten aus Autos?

Die zunehmende Digitalisierung von Fahrzeugen wirft auch die Frage nach besserem Datenschutz auf.

Karsten Schulze, Stefan Kölbl und Dr. Jörg Rheinländer in einer Podiumsdikussion. Moderator: Dirk Gulde

Schon jetzt bezeichnen viele das Auto als Computer auf vier Rädern – dabei steckt noch viel mehr Potenzial in der Digitalisierung. Dementsprechend fallen immer mehr Daten an, die es zu schützen gilt. In einer großen Expertenrunde schilderten Fachleute aus unterschiedlichen Branchen ihre Sicht zum Datenschutz. Dr. Jörg Rheinländer vom Versicherer HUK-Coburg erklärte beispielsweise die Vorzüge eines Telematik-Systems, das die Fahrweise analysiert, Tipps gibt und so sowohl der Sicherheit als auch dem Geldbeutel des Kunden hilft. Die Aufzeichnung erfolge über saubere Datenmodelle und in enger Abstimmung mit den entsprechenden Datenschutzbehörden.

DEKRA-Vorstandschef Stefan Kölbl forderte, dass der Gesetzgeber endlich einen Rechtsrahmen setzen müsse. Ideal wäre ein Daten-Treuhänder, der die Daten direkt und ohne Umwege erhält und nur unter bestimmten Voraussetzungen diskriminierungsfrei herausgibt. "Nur nach Zustimmung des Users dürfen die Daten weitergegeben werden", ergänzte ADAC-Technikpräsident Kars-
ten Schulze. "Wenn man nur die Daten der Hersteller nimmt, dann haben diese einen Zeitvorsprung, und es besteht die Gefahr, dass der Wettbewerb behindert wird." Alle drei waren sich dabei einig, dass die Daten in Zukunft sowohl wirtschaftlich als auch aus Sicherheitsgründen sehr wertvoll sein würden.

Die Datenschutz-Aktivistin Katharina Nocun warnte im Anschluss an die Runde davor, mögliche Sanktionen datenbasierter Angebote zu unterschätzen. So könne ein System kaum zwischen einem Rowdy, einer in Eile befindlichen Hebamme oder einem älteren Menschen unterscheiden. Ganz verschlossen sollten Daten allerdings auch nicht bleiben: "Natürlich braucht es Trainingsdaten für selbstfahrende Autos und KI-basierte Fahrsysteme. Wichtig ist allerdings, auf eine gute Anonymisierung zu achten. Dann spricht auch aus Datenschutz-Sicht nichts dagegen."